Hartmut Ihne, Jürgen Wilhelm (Hrsg.):
Einführung in die Entwicklungspolitik.
Lit
Verlag, Münster 2006, 412 S.
Ganz im Sinne einer Einführung liefert dieser
Sammelband griffige Begriffsdefinitionen,
pointierte Ausführungen sowie weiterführende
Links und Literaturhinweise, die den
Einstieg in das Thema Entwicklungspolitik
ermöglichen. Bemerkenswert ist die Autorenschaft,
die sich sowohl aus Vertretern der Forschung
als auch der Praxis zusammensetzt.
So werden Schlagwörter wie Good Governance
und der Gender-Ansatz im Kontext der entwicklungspolitischen
Praxis lebendig. Das Buch
enthält auch einen Beitrag von Manfred Kulessa
über die Rolle der Kirchen.
Jürgen H. Wolff:
Entwicklungshilfe: Ein hilfreiches Gewerbe?
Versuch einer Bilanz.
Lit Verlag, Münster
2005, 302 S.
Jürgen H. Wolff meldet in dieser Streitschrift
Zweifel an der Richtigkeit der Problemstellung,
der Ursachenanalyse und den vorgeschlagenen
Lösungsmöglichkeiten der
Entwicklungszusammenarbeit an. In einem
Parforceritt versucht der Bochumer Entwicklungssoziologe
Vorurteile von Fakten
zu trennen und misst die Darstellung der
Hilfswerke am wissenschaftlichen Erkenntnisstand.
Dass Entwicklungshilfe die selbstproklamierten
Ziele erreicht, sei keineswegs
ausgemacht, er sieht die einschlägigen Institutionen
in der Pflicht, den Lesern und Spendern
nachzuweisen, dass das Geld sinnvoll
und effizient ausgegeben wird.
William Easterly:
Wir retten die Welt zu Tode. Für ein professionelleres
Management im Kampf gegen die Armut.
Campus Verlag, Frankfurt 2006, 390 S.
Bono, der Sänger der irischen Band U2, weiß
um seine Wirkung, wenn er vor Hunderttausenden
Fans und Fernsehzuschauern an die
Regierungen der westlichen Welt appelliert,
die Entwicklungshilfe zu erhöhen und den
armen Ländern die Schulden zu erlassen.
Er steht damit ganz in der Tradition des USÖkonomen
Jeffrey Sachs. William Easterly
dagegen ebenfalls Ökonom hält diese
Forderung schon im Ansatz für falsch. Er
kritisiert die Formel "mehr Hilfe = mehr
Entwicklung" und stellt fest, dass manche
Länder heute, Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe
später, schlechter dastehen als
vorher. Er plädiert für eine radikale Umkehr,
dafür, dass nur noch solche Projekte unterstützt
werden, die vor Ort erdacht und initiiert
wurden.
Fiona Terry:
Condemned to Repeat? The Paradox of Humanitarian
Action.
Cornell University Press,
Ithaca 2002, 290 S.
Die Arbeit von humanitären Hilfswerken in
Flüchtlingslagern gilt allgemein als unerlässlich
und vorrangig "gut". Doch wie ist
das zu beurteilen, wenn im Schutze dieser
Flüchtlingslager Rebellenorganisationen
tätig werden, aus dem Lager heraus Angriffe
starten und die humanitären Mittel
zweckentfremden, um einen schwelenden
Konflikt am Leben zu erhalten oder ihn sogar
zu intensivieren? Fiona Terry von der
nichtstaatlichen Organisation "Ärzte ohne
Grenzen" hat eben dies in den ruandischen
Flüchtlingslagern in Zaire erlebt. Sie diskutiert
diese Fragen an diesem und drei
weiteren Beispielen afghanischen Flüchtlingslagern
in Pakistan, nicaraguanischen
und salvadorianischen Lagern in Honduras
und kambodschanischen in Thailand. Auch
humanitären Organisationen ist dringend
geraten, zu überprüfen, inwieweit ihr humanitäres
Engagement ethisch vertretbar ist
und nicht mehr Schaden anrichtet, als Gutes
zu tun. Die Konsequenz kann ein kompletter
Rückzug aus den problematischen Regionen
sein.
Judith Huber:
Risse im Patriarchat. Frauen in Afghanistan.
Rotpunktverlag, Zürich 2003, 246 S.
Eine Fallschirmspringerin, zwei Hubschrauberpilotinnen,
eine Psychologin, drei Politikerinnen:
Sie alle sind Vorzeigefrauen im neuen
Afghanistan und doch nur Ausnahmeerscheinungen.
Denn auch nach dem Ende des Taliban-
Regimes genießen Afghaninnen nicht die
gleichen Rechte wie ihre männlichen Landsleute.
Judith Huber beschreibt in kleinen, einfühlsamen
Reportagen das Leben dieser ungewöhnlichen
Frauen in einem Land, in dem
sich Frauen aus Angst vor der Missachtung
ihrer Rechte noch immer kaum in die Öffentlichkeit
trauen.
Sunita Mehta (Hrsg.):
Women for Afghan Women. Shattering Myths
and Claiming the Future.
Palgrave Macmillan
Verlag, New York 2002, 236 S.
Sunita Metha, die Mitbegründerin der afghanischen
nichtstaatlichen Frauenorganisation
Women for Afghan Women, lässt in diesem Buch
Frauen zu Wort kommen, die ein anderes Bild
zeichnen, als das der unter der Bhurka verborgenen
Afghanin. Sie erzählt von äußerem und
inneren Widerstand, von Veränderungen der
Situation der Frauen im Kleinen und Großen.
Nicht nur afghanische Journalistinnen, Aktivistinnen
und Wissenschaftlerinnen verschiedener
kultureller Hintergründe kommen zu
Wort, auch Unterstützerinnen aus dem Ausland
zum Teil selbst Afghaninnen , die sich
für die Rechte der Frauen in Afghanistan einsetzen.
fm, pvh
"Handeln für Entwicklung" (03/2004),
"Grundbildung, Schulen für die Armen" (04/2002),
"Energie für den Süden" (04/2001).
aus: der überblick 04/2006, Seite 55