Die amerikanischen Stiftungen geben zunehmend mehr Geld für internationale Aufgaben aus und zeigen wachsendes Interesse an globalen Aufgaben. Doch bisher gibt es kaum Kooperations- und Koordinationsmechanismen mit den Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit.
von Joseph Zimet
Die amerikanischen philantrophischen Stiftungen haben sich von Anfang an auch für Menschen außerhalb der Landesgrenzen der USA interessiert. Schon in den zwanziger Jahren bemühte sich John D. Rockefeller darum, die Erfolge seiner Rockefeller Sanitary Commission bei der Hebung der Volksgesundheit in anderen Ländern zu wiederholen. Über den International Health Board wurden deren Erkenntnisse in über 50 Ländern verbreitet. Die neu entstehenden Disziplinen der Agrarforschung, der Tropenmedizin und der Molekularbiologie haben von dem philantrophischen Engagement der US-Stiftungen profitiert und dazu beitragen können, Millionen von Menschenleben in den Entwicklungsländern zu retten. Auch das "Internationale Zentrum für die Verbesserung von Mais und Weizen" in Mexiko geht auf eine Initiative der Rockefeller-Stiftung zurück. Dieses Engagement ist weitgehend in Vergessenheit geraten und wird von den heutigen Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit häufig ignoriert.
Seit einiger Zeit interessieren sich die Stiftungen auch für die Steuerung der Globalisierung und die Bewältigung ihrer sozialen Folgen. Sie engagieren sich für die Verringerung der Ungleichheiten in der Welt, die Förderung eines allen zugute kommenden Freihandels, die Bekämpfung der wichtigsten Pandemien, den Schutz der Umwelt, die Unterstützung einer demokratischeren globalen Regierungsführung und der dafür streitenden Zivilgesellschaft. Sie beteiligen sich dazu zunehmend an sektorübergreifenden "Multiakteurs"-Initiativen.
Häufig bringen sie selbst den Privatsektor, biund multilaterale Geber und nichtstaatliche Organisationen an einen Tisch. Die Ford- und die Gates-Stiftung gehören beispielsweise dem geschäftsführenden Ausschuss der Direktoren der "Konsultativgruppe zur Hilfe für die Armen" bei der Weltbank an. Die "Weltweite Allianz für Impfstoffe und Impfungen", die von der Gates- Stiftung mit 753 Millionen US-Dollar ausgestattet wurde, konnte insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar an Spenden aufbringen, um umfassende Impfprogramme in Entwicklungsländern zu fördern.
Diese Stiftung bringt eine Reihe von Regierungen und internationale Organisationen zusammen. Die in der HIV/Aids-Verhütung tätige "Internationale Partnerschaft für Mikrobiozide" zunächst mit einem Forschungsprogramm der Rockefeller-Stiftung gestartet wird jetzt von der Gates-Stiftung, den Vereinten Nationen, der Weltbank und fünf Regierungen unterstützt. Der Critical Ecosystem Partnership Fund entstand aus einem Verbund zwischen der Mac-Arthur-Stiftung, der Weltbank, der NGO Conservation International und der japanischen Regierung.
Wie die Geber, die der Harmonisierung der Hilfe verpflichtet sind, müssen sich künftig auch die Stiftungen um koordinierte Strategien und funktionsfähigere Partnerschaften bemühen. Seit Ende der siebziger Jahre haben sich zahlreiche Gruppen, regionale Verbände von Spendern, Dachorganisationen und sonstige Koalitionen und Konsortien gebildet, die jeweils an einem Strang ziehen. Um im Bereich der Hilfe stärkeres Gewicht zu haben, werden die Stiftungen lernen müssen, eine Kultur der Ergebnisse mit ihrer Innovationskultur die ihre Stärke ist zu verbinden.
Von den öffentlichen Hilfsorganisationen werden die Stiftungen immer noch viel zu häufig ignoriert. Dabei hat der Entwicklungshilfeausschuss (DAC) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) bereits im Jahr 2003 die Vorteile einer Zusammenarbeit festgehalten: "Die private Philantrophie hat es möglich gemacht, innovative Aktivitäten in vielen Sektoren zu finanzieren. Wenn Stiftungen von Regierungen unabhängig sind, können sie eher Risiken auf sich nehmen, sich an Programmen beteiligen, deren Nutzen erst langfristig zum Tragen kommt, und mit sehr dezentralisierten organisatorischen Strukturen experimentieren. Die Ergebnisse ihrer Erfahrungen könnten offiziellen Organisationen innovative Bereiche aufzeigen und vor unvorhergesehenen Folgen warnen. In mancher Hinsicht schulden diese den Stiftungen die Achtung, die einem Älteren gebührt."
Dass Stiftungen langfristige Investitionen vornehmen können, die keinen politischen Schwankungen unterliegen, wird inzwischen allgemein anerkannt. Wer aber könnte die Koordination leisten? Die Vereinten Nationen? Oder ihr Entwicklungsprogramm (UNDP)? Die Geber selbst? Und nach welchen Prioritäten? Trotz erster Ideen und Initiativen ist diese Frage noch nicht wirklich ernsthaft angegangen worden. Wenn es um die Millennium Development Goals geht, stellen sich die Stiftungen auf den Standpunkt, dass es Aufgabe der Regierungen und der multilateralen Organisationen ist, sie zu finanzieren. Die Geber aber haben Interesse an den großen finanziellen Mitteln der Stiftungen. Die UN-Organisationen appellieren schon jetzt an sie, um ihre Sonderprojekte, übergreifenden Programme und sonstigen außerordentlichen Aktivitäten zu finanzieren.
aus: der überblick 04/2006, Seite 40
AUTOR(EN):
Joseph Zimet
Joseph Zimet arbeitet für die französische Entwicklungsbehörde "Agence Française de
Développement" in Paris, Frankreich.