Zornig erzählte vor ein paar Jahren eine Mitarbeiterin eines US-amerikanischen Hilfswerkes von einer Reise zu einer ostafrikanischen Partnerkirche. Der Bischof dort holte sie im neuesten Mercedes-Modell vom Flughafen ab. Als sie nicht wusste, wie man den elektrischen Fensteröffner benutzte, wurde sie halb ungläubig und halb spöttisch gefragt, wieso sie denn das nicht kenne.
von Bernd Ludermann
Die junge Frau, die aus Äthiopien stammte, entgegnete, sie könne sich in den USA solch ein Auto nicht leisten. Und sie hatte kaum Zweifel, was dem Bischof zu dem Fahrzeug, das er als standesgemäß ansah, verholfen hatte: Hilfszahlungen aus den USA, die eigentlich für andere Zwecke vorgesehen waren.
Solch unverblümte Korruption ist in Kirchen armer Länder nicht die Regel. In vielen Ländern des Südens gelten Kirchen bei der Bevölkerung als wenig korrupt, ja als Hoffnungsträger im Kampf gegen die Korruption. Es wäre aber naiv zu glauben, dass dort, wo Korruption weit verbreitet ist, die Kirchen davon frei wären. Von mehr oder weniger kleinen Missbrauchsfällen kann so mancher in Hilfs- oder Missionswerken erzählen.
Sich öffentlich darüber zu äußern, scheuen sich aber viele. Zum Teil liegt das daran, dass das K-Wort in der Öffentlichkeit schnell mit Selbstsucht und moralischer Verderbnis assoziiert wird. In der Mehrheit der Fälle von Korruption in Projekten ist aber nach den Erfahrungen beim EED und Brot für die Welt nicht persönliche Bereicherung das Motiv. Öfter kommt es vor, dass Mittel in andere, unterfinanzierte Hilfsmaßnahmen verschoben werden. Oder ein Mitarbeiter leiht sich Geld, um eine Operation für einen kranken Angehörigen zu bezahlen, und kann es dann nicht zurückgeben.
Auch so etwas, betonen kirchliche Hilfswerke, ist nicht akzeptabel. Es ist aber nachvollziehbar, wie es dazu kommt. Einzelnen Gruppen in einer sehr armen Gesellschaft mit Geld zu helfen, bringt schließlich immer die Gefahr mit, Begehrlichkeiten zu wecken. Darüber aus Angst vor der öffentlichen Wirkung nicht zu reden, ist keine Lösung. Das Problem des Missbrauchs kirchlicher Hilfe sollte man offen ansprechen und seine vielschichtigen Ursachen in den Blick nehmen. Gerade weil Kirchen als integer gelten, sollten sie für alle sichtbar auf integerem Verhalten ihrer Mitglieder und Partner bestehen.
aus: der überblick 02/2005, Seite 85