Michael Bitala
Hundert Jahre Finsternis. Afrikanische Schlaglichter.
Picus Verlag, Wien 2005, 159 S.
In der bewährten lesefreundlichen Reihe sind erneut Reportagen von Michael Bitala
versammelt, die zwischen 1999 und 2004 in der Süddeutschen Zeitung erschienen sind. In
dem einleitenden Beitrag geht er sehr kritisch mit den nachkolonialen Herren Afrikas ins Gericht,
in den Reportagen erzählt er von Menschen, die für ihren Erfindungsreichtum, ihre
Geduld und ihre Zivilcourage Respekt verdienen.
Alfred Meyerhuber
Gesichter Afrikas.
Ars Vivendi Verlag, Cadolzburg 2003, 192 S.
Wer das Afrika jenseits der Bilder von Kindersoldaten und Massakern liebt oder kennenlernen
möchte, kann mit diesen Fotos auf die Reise gehen, von den Himba in Namibia bis zu den
Berbern im algerischen Atlasgebirge. Die Fotos der neun Kapitel werden jeweils von einem
kenntnisreichen, aber erfreulich sparsamen Text eingeleitet. Wer die Bilder auf sich wirken
lässt, kann etwas von Lebensfreude und Geborgenheit traditioneller Gemeinschaften
spüren. Der Band ist schön gestaltet, und dass die Fotografien in ihrer Komposition
nicht verändert, keine Ausschnitte gewählt und keine verfremdende Bearbeitungen
durchgeführt wurden, unterstreicht die unaufgeregte Würde der Portraitierten.
Mir A. Ferdowsi (Hrsg.)
Afrika - ein verlorener Kontinent?
Wilhelm Fink Verlag, München 2004, 382 S.
Der Herausgeber will die vielen Zerrbilder und negativen Projektionen über Afrika
relativieren und hat dafür neun deutsche Wissenschaftler gewinnen können, die
Afrikas fortwährende Probleme analysieren, Lösungsansätze aus eigener Kraft
vorstellen und schließlich fragen, was externe Akteure (hier die EU und Deutschland)
beitragen können. Im Anhang sind einige jüngere Dokumente abgedruckt. Der Band
bietet eine solide Einführung in die politikwissenchaftliche Afrika-Diskussion in
Deutschland.
Hans Bühler
Unterwegs in Afrika. Wegstücke eines modernen Nomaden.
Brandes & Apsel Verlag,
Frankfurt 2006, 144 S.
Der Autor, heute Professor für interkulturelle Pädagogik, ist 1976 als
Entwicklungshelfer von "Dienste in Übersee" nach Kamerun gekommen, seither
hat er den Kontinent immer wieder besucht und unter anderem dort Lehrer fortgebildet. Die hier
veröffentlichen Miniaturen aus 30 Jahren erzählen vom Alltag und seinen
Fährnissen und Freuden, von den Kollegen und von Zufallsbegegnungen. Wie kann man sich
verstehen und verständigen? Was bleibt fremd und beschwerlich? Wie schnell kann der Tod
einen Freund aus dem Leben reißen und wie geht man um mit dem Gefälle zwischen
Nord und Süd, zwischen Arm und Reich? Die knappe Sprache und die über die Jahre
gereiften Reflektionen machen das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre für alle,
die sich auf den Weg nach Afrika machen wollen.
Rita Schäfer
Im Schatten der Apartheid. Frauen-Rechtsorganisationen und geschlechtsspezifische Gewalt
in Südafrika.
Lit Verlag, Münster 2005, 480 S.
Im neuen Südafrika sitzen mehr Frauen im Parlament als in anderen afrikanischen
Ländern, die Gesetze sichern ihnen gleiche Rechte zu, ein Teil der politischen Rhetorik
mahnt ihre Förderung an. Warum erleiden die Frauen dann dort so extrem häufig
Gewalt? Rita Schäfer geht dieser Frage in einer gründlichen Studie nach, die
ethnologische Gender- mit Gewaltforschung verbindet. Sie zeichnet die historische Entwicklung der
Gewalt- und Geschlechterverhältnisse nach, analysiert die gegenwärtige Situation der
Frauen in verschiedenen Lebensbereichen, erinnert noch einmal an den Kampf der Frauen gegen
diskriminierende Gesetze und stellt heutige Frauenrechtsorganisationen vor. Wie umfassend die
Literatur ausgewertet wurde, zeigt eine 148 Seiten starke Bibliographie am Ende des Buches.
Veronika Wittmann
Frauen im Neuen Südafrika. Eine Analyse zur gender-Gerechtigkeit.
Brandes Apsel
Verlag, Frankfurt 2005, 464 S.
Die Soziologin Veronika Wittmann hat für ihre Dissertation Frauen und Männer in
genderspezifischen Organisationen befragt und gibt deren Aussagen Analysen in Auszügen
im englischen Original wieder. Das verleiht dem Buch viel Authentizität. Die dazwischen
immer wieder ausgesprochenen normativen Empfehlungen irritieren dagegen vor dem Hintergrund
der einleitend ausführlich dokumentierten methodischen Überlegungen und Reflexion
der eigenen Rolle als forschende weiße Frau. Neben der Auswertung der Interviews bietet das
Buch eine auf umfangreichem Literaturstudium (1416 Fußnoten insgesamt) basierende
Darstellung der Geschlechterkonstruktion in der südafrikanischen Geschichte.
Christoph Marx
Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart.
Schöningh-Verlag, Paderborn
2004, 391 S.
Sehr differenziert beschreibt Christoph Marx, Professor für Außereuropäische
Geschichte an der Universität Essen, die Entwicklung der afrikanischen Staaten und Kultur
seit 1800. Ein wichtiges Anliegen ist ihm dabei, mit der verbreiteten Fehleinschätzung zu
brechen, dass die Europäer Afrika die Zivilisation gebracht hätten. Mit seiner
detaillierten Darstellung wendet er sich gegen Generalisierungen. Grob gliedert sich das in der
Uni-Taschenbuch-Reihe erschienene Werk in drei Abschnitte: Unter der Überschrift
"Expansion" wird das 19. Jahrhundert als Zeitalter der Umwälzungen im Blick
auf Staatsgrenzen, Handel und Religion beschrieben. Der knappe Mittelteil widmet sich der
"Lebenswelten unter kolonialer Herrschaft" und der Schlussteil behandelt
"Brüche und Kontinuitäten" in Afrikas Geschichte seit Mitte der 1930er
Jahre. Übersichten mit Daten, etwa eine Chronologie der Aufteilung Afrikas, Karten und
graphisch hervorgehobene Kästen zu Einzelthemen und wichtigen Persönlichkeiten
erleichtern die Lektüre.
Anna Quaas
Dolores M. Bauer
Mein Uganda. Ein demokratiepolitisches Modell? Reportagen, Impressionen, Gespräche.
Mandelbaum Verlag, Wien 2006, 256 S.
Das Uganda Yoweri Musevenis hat eine besondere Beziehung zu Österreich. In Unterolberndorf in Niederösterreich traf sich 1985 konspirativ die Führung der Nationalen Widerstandsbewegung. Im Dorfgasthaus "Zum grünen Jäger" billigte sie das Zehn-Punkte-Programm, welches nach dem wenig später errungenen Sieg politischer Bezugspunkt werden sollte. 1994 machte Präsident Museveni bei seinem Staatsbesuch noch einmal in dem kleinen Ort des Weinviertels Station. Seit 1993 ist Uganda ein Schwerpunktland der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. Aus der privaten Solidaritätsbewegung ging 2003 die österreichisch-Ugandische Freundschaftsgesellschaft hervor, deren Präsidentin die prominente ehemalige Rundfunkjournalistin, engagierte Katholikin und Kritikerin des "globalen Turbokapitalismus neoliberaler Prägung" Dolores Bauer ist. Sie macht deutlich, was journalistisches und humanitäres Engagement zugunsten eines Landes des Südens bewirken kann.
Bauer schildert plastisch die Gräuel zu Beginn der achtziger Jahre unter der zweiten Präsidentschaft Apolo Milton Obotes. Vor dem Hintergrund der damaligen Ereignisse entfaltete sich ihre Sympathie zu den Menschen des Landes und auch zu dem Politikansatz Musevenis. Jener trat Anfang 1986 an, mit einem basisdemokratischen Modell die vorhandenen konfessionellen und ethnischen Gräben zu überwinden. Das ist in gewissem Umfang auch gelungen, und in weiten Teilen des Landes wurden friedliche Verhältnisse und eine bemerkenswerte Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage erreicht.
Die Probleme im Norden des Landes unterschlägt Bauer nicht, behandelt sie und die
mittlerweile angewachsene Kritik ehemaliger Mitstreiter Musevenis an dessen Politik und
Führungsstil aber nur vergleichsweise knapp.
Volker Weyel
Franziskus Kerssenbrock
Mother City. Das schönste Ende der Welt. Kabinettstücke aus Kapstadt.
Picus Verlag, Wien 2006, 132 S.
Schon Francis Drake sprach 1580 vom "schönsten Kap", das er auf seiner Weltumseglung gesehen habe. Ein gutes halbes Jahrhundert später begann mit Jan van Riebeeck die weiße Besiedlung Südafrikas, und heute gilt Kapstadt, die "Mother City", noch immer als eine der schönsten Städte der Welt. In 18 Kapiteln beschreibt Franziskus Kerssenbrock in der Reihe "Picus Lesereisen" Kapstädter Szenen Streifzüge durch die Geschichte der Stadt, ihre Architektur, Schlaglichter auf touristische Wahrzeichen wie den Tafelberg, die Fahrt zu Nelson Mandelas Gefängniszelle auf Robben Island. Kein entwicklungspolitisches Buch aber in den knappen Skizzen wird das Erbe der Apartheid dennoch deutlich: die rassische Segregation, das Wettrennen der Wohnungsbauprogramme gegen die stete Zuwanderung in die Townships, die anhaltende Gewalt.
Bei der Geschichte des District Six, das nach dem Willen der Apartheid-Apologeten ein "rein
weißes" Wohngebiet werden sollte, weist der Autor politisch nicht korrekt, aber
richtig auch auf die schwierige soziale Struktur dieses Innenstadtbezirks hin (dessen Geschichte
heute oft verklärt wird). Ein angenehm und leicht zu lesendes Buch; für
Kapstadt-Reisende, die die "Mother City" zum ersten mal besuchen, eine gute
Vorbereitung.
Volker Ullrich, Eva Berié (Hrsg.)
Der Fischer Weltalmanach aktuell. Afrika.
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M.
2006, 192 S.
Mit seinem Einleitungsessay plädiert Bartholomäus Grill, der langjährige
Afrika-Korrespondent und Hauptautor des Almanachs, für eine andere Wahrnehmung des
schwarzen Kontinents. Gemäß diesem Motto zeigen die folgenden Reportagen,
Interviews und Artikel die Komplexität gegenwärtiger Krisen und Konflikte in Afrika,
sie diskutieren das Erbe des Kolonialismus und portraitieren charismatische afrikanische Politiker.
Im letzten Teil des Buches liefern Karten, demografische, wirtschaftliche und geschichtliche
Übersichten das nötige Hintergrundwissen.
Marc Engelhardt
Ouaga, Juba, Mogadischu. Bericht aus Afrika 2005.
Monsenstein und Vannerdat,
Münster 2006, 113 S.
Wie erklärt eine Fernsehmoderatorin in einer Nation ohne Strom ihren Job? Warum boomt
in einem anderen Land die Wirtschaft, obwohl es seit 15 Jahren keine Regierung mehr hat? Wird
der afrikanische Film es schaffen, irgendwann auch in Afrika auf die Leinwände zu
kommen? Diese Fragen stellt Marc Engelhardt, Afrika-Korrespondent aus Nairobi und
räumt zugleich ein, dass einige offen bleiben müssen. Ob die brodelnden Konflikte im
Südsudan, die Erfolge des Kapitalismus in Mogadischu oder das größte Filmfest
in Burkina Faso: Das Buch ist informativ und trotz des Ernstes der Themen unterhaltsam.
Charlayne Hunter-Gault
New News out of Africa. Uncovering Africa's Renaissance.
Oxford University Press, New
York 2006, S. 173.
Die Autorin und ehemalige CNN-Reporterin Charlayne Hunter-Gault präsentiert in diesem
Buch eine erfrischend andere Perspektive auf das Afrika der Gegenwart. Sie zeigt, dass
"Nachrichten aus Afrika" nicht immer von Krankheit, Katastrophen und Verzweiflung
handeln müssen. Die heutige multikulturelle südafrikanische Gesellschaft sieht sie
durch die Brille einer Reporterin, die das Apartheid-Regime selbst miterlebt hat. Die
wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Ruanda, Mosambik, Nigeria, Ghana, Kenia,
Angola und Sierra Leone lassen sie von einer "afrikanischen Renaissance" sprechen.
Dagegen gehe es aber nur in "Babyschritten" in Richtung Demokratie.
Michela Wrong
I Didn't Do It For You. How the World Used and Abused a Small African Nation.
Harper Perennial, London 2005, 432 S.
Anlass für die Journalistin Michela Wrong, ein Buch über Eritrea zu schreiben, war
ihre Entdeckung der weit verbreiteten Ignoranz gegenüber dem kleinen Land am Horn von
Afrika, das erst 1991 unabhängig wurde. Dabei ist Eritreas Geschichte von den
Leidenschaften des 20. Jahrhunderts stark geprägt worden: der Kolonialismus, in dem Fall
italienischer Couleur, der die eritreische nationale Identität tief geprägt hat, der Kalte
Krieg und der langjährige Befreiungskampf aus der äthiopischen Herrschaft und nicht
zuletzt der "Krieg gegen den Terror", der die Politik der internationale Gemeinschaft am
ganzen Horn von Afrika bestimmt. Mit ihrem angenehmen klaren und eleganten Erzählstil,
den vielen Portraits und Anekdoten, zeichnet Michela Wrong eine lebendige Geschichte Eritreas
mit der Absicht, dem Leser die nationale Identität und aktuelle Problemlage im Land
näher zu bringen.
Robert Calderisi
The Trouble with Africa. Why foreign Aid isn't working.
Palgrave Macmillan, New York,
241 S.
Der Autor war 30 Jahre in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und zieht in diesem Buch
persönlich und politisch Bilanz. Robert Calderisi beschäftigt sich einleitend mit der
Frage, warum Afrika sich so viel schlechter entwickelt hat als andere Länder und macht
dafür "Kultur, Korruption und Korrektheit" verantwortlich. Die weiteren Kapitel
beschäftigen sich en detail mit Tansania, Cte d'Ivoire und Zentralafrika sowie den
Fehlanreizen durch Entwicklungshilfe und den Bemühungen, Tschad dazu zu bewegen, das
Ölgeld für die Bekämpfung der Armut einzusetzen. über die
abschließenden zehn Empfehlungen kann (und sollte) man kräftig streiten.
Manfred Loimeier (Hsg.)
Yizo, Yizo. Stories aus einem neuen Südafrika.
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2005,
159 S.
Yizo Yizo bedeutet auf Zulu "die wahre Sache" und bezeichnet eine südafrikanische
Fernsehserie, die mit ihrem ungeschönten Bild des Township-Alltags bei der
südafrikanischen Jugend besonders beliebt ist. Loimeier erklärt die
Aufbruchstimmung dieser Generation zum Motto der Anthologie. Die afrikanischen
Gegenwartsautoren, die hier zu Wort kommen, werden nicht mehr am Grad ihrer Apartheidkritik
gemessen. Das bedeutet nicht, dass das Erbe der Apartheid in ihren Geschichten keine Rolle spielt.
Das erzählerische Spektrum rangiert zwischen Umgangssprache, poetischen bis hin zu
surrealen Texten. Besonders beliebt bei den Ich-Erzählern ist die unprätentiöse
Sichtweise eines Kindes.
Lena Blaudez
Farbfilter. Ada Simon in Douala.
Unionsverlag, Zürich 2006, 275 S.
Sie Fotografin er Journalist, im schwülen dunklen magischen Afrika, wo es von
NGO-Aktivisten, eher sympathisch, und von Businessleuten, eher bösartig, wimmelt. Doch
am Ende des Krimis, in dem es um illegalen Tropenholzhandel geht, sieht es, dem Genre gerecht,
viel komplizierter aus. Kurz gesagt: Wenn Sie einen Krimi lesen wollen, dann sind Sie bei Lena
Blaudez richtig. Wenn Sie aber gerne einen Krimi lesen und gleichzeitig etwas über Afrika
lernen möchten, dann lesen sie lieber Alexander McCall Smith, der die Geschichte von Mma
Ramotswe, der ersten Detektivin aus Botsuana erzählt (Lübbe Verlag).
Gérard Prunier
Darfur. The ambiguous Genocide.
Hurst & Company, London 2005, 212 S.
Um die gegenwärtige Krise in Darfur zu verstehen, sollte man das Buch von Gérard Prunier
unbedingt lesen. Neben der differenzierten Analyse der Ursachen (geschichtliche,
ökologische, sozio-ökonomische und rassistische) und dem Verlauf des Konfliktes in
der westlichen Region Sudans, widmet er das letzte Kapitel einer ergreifenden Analyse der
Reaktion der Welt Medien, NGOs und internationale Gemeinschaft auf die Darfur-Krise. Das
Buch erschien 2005. Eine Ergänzung zur aktuellen Lage bietet der Artikel des Autors in
diesem Heft.
oj, pvh, rwl
Olenka Frenkiel:
Kindesverkauf in Westafrika (1/2002)
Denis M. Tull:
Kongo - Was die Hydra füttert (3/2003)
Ruth Marshall-Fratani:
Die Rolle der rebellierenden Jugend beim Konflikt in Côte d'Ivoire (1/2004)
Nicolas Bourcier/ Nourdine Oumeddour:
Algerien "Made in China" (4/2005)
aus: der überblick 03/2006, Seite 70