Wie kommen Sie eigentlich zu Ihren Themen?« Es ist natürlich verführerisch, nach einer solchen Frage auf die eigene Belesenheit oder den guten Instinkt zu verweisen. Tatsächlich ist es oft viel banaler. In diesem Fall kam die Anregung von Hansjörg Dilger, einem klugen »überblick«-Leser, der die Redaktion auf ein von ihm mit geplantes Symposium aufmerksam machte: HIV/AIDS and the Moral Order. Eine analytische Fragestellung inmitten der vielen Katastrophen- und Aktivistenmeldungen zu diesem Thema.
Könnte das vielleicht das nächste Heftthema werden? Die neugierige, aber auch bange Frage schließlich eignen sich wissenschaftliche Beiträge längst nicht immer für den »überblick« wich im brandenburgischen Schloss Wulkow schnell einer gewissen Faszination. Ethnologen mit ihren Fallstudien sind publizistisch gesehen ohnehin ein Glücksfall. Und ihre nüchterne Beschreibung von Lebens- und Verhaltensweisen hebt sich wohltuend ab von den täglich in der Redaktion eintrudelnden Texten, in denen Gemeinschaftsbildung und Solidarität beschworen und zu irgend etwas aufgerufen wird.
Dennoch: Wie macht man aus langen wissenschaftlichen Vorträgen in englischer Sprache schnell ein lesbares Heft? Gibt es meist doch zwischen Autoren und Redaktion viel Hin und Her, Übersetzungsprobleme, Nachfragen, unterschiedliche Vorstellungen über Kürzungen und Lesbarkeit. In diesem Fall aber hatte die Redaktion rein überhaupt nicht zu klagen.
Oder vielleicht doch: Die Bitte um Fotos und identifizierbare Namen und Orte blieb oft erfolglos. Das gehört offenbar zum Selbstverständnis einer tief in die Lebenswelten von Menschen eindringenden Wissenschaft, zumal dann, wenn es um eine Krankheit geht, die oft stigmatisiert wird. In ihrer Not hat sich die Redaktion an einen Bildband erinnert, den sie einst aus Kapstadt beschafft hatte: A Broken Landscape: HIV & AIDS in Africa. Die Fotos von Gideon Mendel erzählen ihrerseits eine Geschichte.
DIE REDAKTION
aus: der überblick 02/2005, Seite 0